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"Sehr geehrte Frau Leipholz!
Mit Brief vom 31. Mai haben
Sie und acht andere Damen, die Mitglieder katholischer
Verbände sind, um eine "eindeutige Klärung" der Frage
eventuell "durch kompetente Stellen in Rom selbst" - gebeten,
ob der Verein Donum vitae mit der innerkirchlichen Ordnung
vereinbar sei und man ihn als katholischer Christ unterstützen
dürfe. Ich habe Ihre Anfrage an den Heiligen Stuhl weitergeleitet.
Mit Brief Nr. 46/87-11669 vom 25. Oktober bin ich nun
seitens der Kongregation für die Glaubenslehre autorisiert
worden, Ihnen folgendes mitzuteilen:
Der Verein Donum vitae befindet
sich in offenem Widerspruch zu den Anweisungen des Heiligen
Vaters und den Entscheidungen der Bischöfe, und zwar aus
folgenden Gründen:
1. Während die Bischöfe dabei
sind, die Tätigkeit der katholischen Beratungsstellen
neu zu organisieren, - unter Verzicht auf die Ausstellung
der Bescheinigung, die den Zugang zur straffreien Abtreibung
eröffnet -, wollen die Beratungsstellen von Donum vitae
autonom und unabhängig von den Bischöfen eine "katholische"
Präsenz in der Schwangerschaftskonfliktberatung mit Ausstellung
des Scheines aufrecht erhalten. Diese Art des Handelns
verdunkelt unvermeidlich das Zeugnis der katholischen
Kirche, für die alle ihre Glieder - Geistliche, Ordensleute
und Laien - Verantwortung tragen. Es kann auf das verwiesen
werden, was der Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre,
Kardinal Ratzinger, und der Staatssekretär Seiner Heiligkeit,
Kardinal Sodano, in ihrem gemeinsamen Brief vom 18. September
1999 an Bischof Lehmann, den Vorsitzenden der Deutschen
Bischofskonferenz geschrieben haben: "Dem Heiligen Vater
liegt es außerordentlich am Herzen, dass die Kirche ein
Beispiel großer Transparenz gibt und alles meidet, was
als Doppeldeutigkeit und Mangel an Klarheit interpretiert
werden könnte. Dies ist wichtig nicht nur für die Glaubwürdigkeit
der Kirche, sondern auch für die Bildung der Gewissen"
(Nr. 1).
2. Durch die Ausstellung
des Beratungsscheines seitens ihrer Schwangerschaftskonfliktberatungsstellen
wird die Kirche in den Vollzug eines Gesetzes eingebunden,
das die Tötung unschuldiger Menschen zulässt. Die Kirche
selbst macht sich so zum Mitträger des Gesetzes in seiner
Gesamtheit. Diese Kooperation verdunkelt die Klarheit
und Entschiedenheit des Zeugnisses der Kirche und ist
mit ihrem moralischen Auftrag und mit ihrer Botschaft
unvereinbar. Es trifft nicht zu, wenn gesagt wird, dass
in der Frage zwingende moralische Normen nicht berührt
seien und es sich nur um eine Güterabwägung handle. Das
Gegenteil ist richtig. Bei der Anweisung des Heiligen
Vaters, es sei nicht erlaubt, einen Beratungsschein auszustellen,
handelt es sich um eine Feststellung lehrmäßiger Natur,
die der Papst in Wahrnehmung seines obersten Hirtenamtes
gegeben hat. Die Tatsache, dass die Beratungsstellen von
Donum vitae autonom und unabhängig von den Bischöfen sind,
ändert nichts an der Substanz des Problems, da es sich
um Beratungsstellen handelt, die von katholischen Gläubigen
geleitet werden, die eine "katholische" Beratung für Schwangerschaftskonflikte
fortführen wollen.
3. Schließlich begünstigen
die Beratungs-stellen von Donum vitae Tendenzen in der
Kirche Deutschlands, die der "hierarchischen Kirche" eine
"Laienkirche" gegenüberstellen, die autonom und unabhängig
von Papst und Bischöfen handelt. In dem an Bischof Karl
Lehmann, den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz,
gerichteten Brief vom 20. November 1999 hat der Papst
hingegen die notwendige Einheit und Einmütigkeit in dieser
delikaten Frage unterstrichen:
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"Die eine und selbe Vorgehensweise,
von allen deutschen Bischöfen in einer einmütigen Entscheidung
gefasst, wird unter den Katholiken in Deutschland eine ruhigere
Atmosphäre begünstigen. Es ist mein lebhafter Wunsch, dass
alle Gläubigen mit ihren Geistlichen und ihren Bischöfen
sich in der Freude des Glaubens und des christlichen Zeugnisses
einmütig und einträchtig fühlen und es auch sind."
Aus diesem Grund müssen die
Beratungsstellen von Donum vitae und anderen Vereinigungen,
die das Ziel haben, eine "katholische" Beratung für Schwangerschaftskonflikte
mit Ausstellung des Scheines fortzuführen, klar von katholischen
Beratungsstellen unterschieden werden. Deswegen sollen sie
auch keine diözesanen Mittel erhalten, wie die Bischöfe
Deutschlands bestätigt haben. Außerdem müssen die katholischen
Gläubigen darauf verzichten, solche Beratungsstelen zu unterstützen,
und sich im Einvernehmen mit dem Papst und den Bischöfen
dafür einsetzen, eine Neuregelung der Beratung zu verwirklichen,
die sich durch Fachkompetenz, durch menschliche Zuwendung
und durch die Bereitschaft zu konkreter Hilfe auszeichnet.
Dieser Antwort seitens der Kongregation
für die Glaubenslehre möchte ich als Apostolischer Nuntius
noch einige Worte hinzufügen:
Wenn die deutschen Katholiken
wieder zu einer herzlichen Einheit mit dem Heiligen Vater
finden können, werden viele unleugbare Zeichen der Krise,
die bei der Kirche in Deutschland zu beklagen sind, leicht
überwunden werden können. Lieblose innerkirchliche Polemiken
verursachen unter den Gläubigen nur Verdruss am Glauben
und an der Kirche und entfernen sie vom Geist des Evangeliums.
Mit dem Apostel Paulus sollen wir alle beten und wirken,
damit alle Katholiken in Deutschland "eines Sinnes" sind,
"einander in Liebe verbunden, einmütig und einträchtig"
(Phil. 2,2). Um eine solche Einheit zu sichern, hat der
Herr seine Kirche unter anderem mit dem Petrusamt ausgestattet,
so dass alle Christgläubigen in ihrem Glauben und Handeln
dort einen gemeinsamen festen Bezugspunkt haben.
In diesem geschichtlichen Augenblick
und in der anstehenden Frage ist es notwendig, dass die
deutschen Katholiken mit ihren Bischöfen fest verbunden
sind. Die neuen bischöflichen Bestimmungen zur Neuordnung
der katholischen Schwangerenberatungsstellen sollen von
allen wirksam unterstützt und gefördert werden. Die katholischen
Vereine und die Priester und Gläubigen sollen, je nach ihrer
Aufgabe, einträchtig dazu beitragen, dass alle Frauen, die
sich während ihrer Schwangerschaft in Schwierigkeiten befinden,
wissen, dass sie bei den katholischen Schwangerenberatungsstellen
eine freundliche Annahme, einen kompetenten Rat und jede
mögliche Hilfe finden werden, um mit Zuversicht und Freude
die Schwangerschaft zu Ende bringen und ihr Kind aufziehen
zu können. Alle sollen wissen und niemand soll es verborgen
bleiben, dass die Katholische Kirche die Kirche des Lebens
ist und alles tut, um den Menschen in allen Phasen seines
Lebens, vom Augenblick der Empfängnis bis zum natürlichen
Ende durch den Tod, liebevoll zu begleiten.
Mit den besten Segenswünschen
und freundlichen Grüßen
Giovanni Lajolo
Apostolischer Nuntius"
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